Im Puls. THINK TANK HERZ-KREISLAUF Gesundheit als gesellschaftlicher Resilienzfaktor Sozialen Zusammenhalt sichern Versorgung strukturschwacher Regionen sicherstellen Demografische Transformation aktiv gestalten Gesundheitsungleichheiten gefährden den sozialen Zusammenhalt und führen zu einem Vertrauensverlust in die Leistungsfähigkeit des Staates für die Gesellschaft. Ein gerechter Zugang zur medizinischen Versorgung, muss für alle Bürgerinnen und Bürger gewährleistet sein. Nur so ist es möglich, das Vertrauen der Bevölkerung in staatliche Institutionen zu erhalten. Ein flächendeckend erreichbares und koordinierendes Primärversorgungssystem ist notwendig und essenziell für soziale Stabilität. In diesem Zusammenhang kommt der Erweiterung der Versorgungstruktur durch weitere koordinierende Tätigkeiten und Berufsgruppen sowie der technologischen Möglichkeiten eine Schlüsselrolle zu. Die Alterung der Gesellschaft inklusive der Fachkräfte ist keine Bedrohung, sondern ein Gestaltungsauftrag für die Politik: Wir brauchen flexible Versorgungs-und Vergütungsmodelle, auch für den Einsatz nichtärztlicher Fachdienste. Die sektorenübergreifende Zusammenarbeit muss umgesetzt und finanziell gesichert werden. 12
Gesundheit als Demokratiefrage Ein funktionierendes Gesundheitssystem ist eine Grundvoraussetzung für den sozialen Zusammenhalt. Wenn Bürger das Gefühl haben, dass ihre medizinischen Bedürfnisse nicht ernst genommen oder ausreichend abgedeckt werden oder der Zugang zur Versorgung verwehrt wird, führt das zu Frustration und einem Vertrauensverlust gegenüber politischen und staatlichen Institutionen. In drei zentralen Punkten möchten wir zeigen, wie die Krise im Gesundheitswesen die Demokratie schwächen kann. 1 Verlust des Vertrauens in den Staat Die Unfähigkeit des Gesundheitssystems, ausreichend medizinische Versorgung sicherzustellen, wird von vielen Bürgern als Staatsversagen wahrgenommen. Ein unüberschaubares Gesundheitssystem, lange Wartezeiten beim Facharzt oder überfüllte Notaufnahmen hinterlassen das Gefühl, dass der Staat seine Schutz- und Versorgungsaufgaben nicht erfüllt. Diese Enttäuschung kann die Zustimmung zu populistischen Bewegungen stärken, die vermeintlich einfache Lösungen versprechen. 2 Zunahme sozialer Ungleichheiten Die Gesundheitsversorgung ist zunehmend von finanziellen Möglichkeiten abhängig: Wer über ausreichende Mittel verfügt, nutzt private Zusatzversicherungen oder sucht Hilfe in privaten Praxen. So waren im Jahre 2023 29,1 Mio. Menschen in Deutschland privat zusatzversichert. Das Jahr 2023 war das fünfte Jahr in Folge, wo mehr Menschen aus der Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) in die private Krankenversicherung wechselten als umgekehrt 5 . Menschen mit geringerem Einkommen hingegen müssen sich mit langen Wartezeiten und schlechteren Behandlungsoptionen zufriedengeben. Diese Ungleichheit fördert soziale Spannungen und untergräbt das soziale Prinzip der Gleichheit in der Gesellschaft. 3 Gefährdung der politischen und sozialen Partizipation Eine schlechte medizinische Versorgung belastet vor allem chronisch kranke, ältere Menschen, ihre Angehörigen sowie Bewohnerinnen und Bewohner ländlicher Regionen. Diese Gruppen kämpfen oft mit gesundheitlichen Problemen, die ihre politische Teilhabe einschränken. Wer ständig mit Krankheit, langen Anfahrtswegen oder der Suche nach einem Arzttermin beschäftigt ist, hat weniger Energie und Ressourcen, um am gesellschaftlichen und politischen Leben teilzunehmen. 13
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