Cholesterin verstehen - Arteriosklerose vorbeugen von Matthias Jung Cholesterin und Triglyceride - Blutwerte richtig deuten W as passiert wirklich in unserem Körper, wenn von erhöhten Cholesterinwerten die Rede ist? Und warum ist Cholesterin gleichzeitig lebenswichtig und potenziell gefährlich? Cholesterin gehört zu den am häufigsten diskutierten Blutwerten - oft umgeben von Verwirrung und Halbwissen. Dabei ist es zunächst einmal ein lebensnotwendiger Baustein unseres Körpers. Um die Bedeutung der Laborwerte zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Grundlagen. Cholesterin: Baustein des Lebens Der Körper als Cholesterin- Produzent: Entgegen weit verbreiteter Annahmen produziert unser Körper den größten Teil des benötigten Cholesterins selbst - etwa 700 mg täglich werden in der Leber hergestellt. Weitere Produktionsstätten sind der Darm, die Nebennierenrinde und Fortpflanzungsorgane. Nur etwa 20-25% des Cholesterins stammen aus der Nahrung. Diese körpereigene Produktion ist kein Zufall: Cholesterin erfüllt lebenswichtige Funktionen. Es stabilisiert die Zellmembranen, ist Baustein für Steroidhormone wie Östrogen und Testosteron, wird zur Vitamin-D-Synthese benötigt und ist Grundlage für die Gallenproduktion. Das intelligente Regulationssystem Der Körper verfügt über ein ausgeklügeltes Regulationssystem: Nehmen wir viel Cholesterin über die Nahrung auf, drosselt die Leber ihre eigene Produktion. Bei geringer Zufuhr steigert sie die Herstellung. Dieses Gleichgewicht kann jedoch bei dauerhafter Überlastung aus dem Takt geraten. HDL und LDL: Die Transportsysteme Warum braucht Cholesterin Transportmittel? Da Cholesterin nicht wasserlöslich ist, kann es nicht frei im Blut zirkulieren. Es wird deshalb in Lipoproteine verpackt - Transportvehikel aus Proteinen und Fetten, die wie kleine Frachtschiffe durch die Blutbahn navigieren. LDL: Der Lieferservice: Low Density Lipoproteine (LDL) transportieren Cholesterin von der Leber zu den Zellen, wo es für Membranaufbau und Zellfunktionen benötigt wird. Diese wichtige Aufgabe macht LDL keineswegs zum „schlechten“ Cholesterin - problematisch wird es erst bei Überangebot. Steigt der LDL-Spiegel dauerhaft an, können sich die Lipoproteine in den Arterienwänden ablagern und dort oxidieren. Diese oxidierten LDL-Partikel lösen Entzündungsreaktionen aus und tragen zur Plaquebildung bei - dem Grundstein der Arteriosklerose. HDL: Der Rücktransporter: High Density Lipoproteine (HDL) haben eine gegensätzliche Funktion: Sie sammeln überschüssiges Cholesterin aus Geweben und sogar aus bereits gebildeten Plaques ein und transportieren es zurück zur Leber. Dort wird es in Gallensäuren umgewandelt oder recycelt. HDL besitzt zusätzlich antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften, die die Gefäßwände vor Schäden schützen können. Daher gilt: Je höher der HDL- Wert, desto besser der Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Triglyceride: Die vergessenen Blutfette Was sind Triglyceride? Während Cholesterin primär als Bausubstanz dient, sind Triglyceride die wichtigsten Energiespeicher des Körpers. Sie bestehen aus einem Glycerinmolekül und drei 32
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