DIE KOLUMNE IM HERBST von Matthias Jung Wein und ich Täglich 1-2 Gläser Lebensfreude Ich habe offiziell den Korkenzieher vom Kardiologen zurückerobert: 1-2 Gläser sind genehmigt, sofern das Herz nicht für eine peinliche Samba-Nummer namens Vorhofflimmern anfällig ist. Seitdem messe ich ein Glas nicht in Millilitern, sondern in Lebensfreude - und zur Sicherheit in „Standarddrinks“, sprich etwa 150 ml Wein pro Drink, damit die Mathematik mittrinkt. Das war ein bewegender Moment in der Praxis: „Herr Jung“, verkündete mein Kardiologe feierlich, „ich erlaube Ihnen hiermit offiziell das tägliche Glas Wein.“ Ich hätte fast geweint - vor Rührung oder weil das Herz so ergriffen war, dass es kurz aus dem Takt geraten ist. Seitdem hängt der ärztliche Freibrief gerahmt über meiner Weinsammlung, direkt neben dem Foto vom letzten Urlaub in der Toskana. Die Wissenschaft ist sich ja bekanntlich nie ganz einig, aber mediterrane Studien flüstern seit Jahren von Herzschutz durch moderaten Weinkonsum. Spanische Forscher sprechen sogar von 50 Prozent weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei einem halben bis ganzen Glas täglich. Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein - wie ein Märchen für Erwachsene, in dem Rotwein der Retter in der Not ist. Trotzdem bleibt meine neue Hausordnung streng: Ein Glas ist Gesellschaft, zwei sind Feierabend - drei sind Verhandlungen mit dem Blutdruck, und darauf habe ich wirklich keinen Durst. Denn wer überzieht, riskiert das berüchtigte „Holiday-Heart“-Syndrom, bei dem das Herz plötzlich Flamenco tanzt, obwohl nur Walzer gespielt wurde. Die Deutsche Herzstiftung mahnt übrigens zur Vorsicht: Schon ein Glas täglich kann das Vorhofflimmern-Risiko um 16 Prozent erhöhen. Das ist wie russisches Roulette, nur mit Korkenzieher. Aber hey, das Leben ist ein Risiko - und ich lebe lieber bewusst mit einem Glas als unbewusst ohne. Inzwischen habe ich übrigens eine Art Weintagebuch entwickelt: Montag Chianti, Dienstag Bordeaux - immer schön abwechslungsreich, damit sich das Herz nicht langweilt. Manchmal rede ich sogar mit der Flasche, wenn keiner zuhört - ein kleiner, gemütlicher Dialog, der meine Abende begleitet und dem Herzen gut tut. Mein persönliches Ritual bleibt ein kleiner Toast auf das Leben, das Herz und die Fähigkeit, nach dem zweiten Glas konsequent „Nein, danke“ zu sagen. Denn am Ende gewinnt nicht der mit dem besten Wein, sondern der mit dem klügsten Herzen. Und meins hat gelernt: Genuss ist eine Kunst, Verzicht manchmal die größere. In diesem Sinne: Prost - mit Hirn, Herz und Humor, und dem Wissen, dass selbst der beste Jahrgang kein Freibrief für Sorglosigkeit ist. Das ist natürlich meine ganz persönliche Regel, mit der ich gut fahre. Jeder sollte für sich den richtigen Weg finden - denn Herz und Genuss sind eine sehr individuelle Angelegenheit. Ihr Matthias Jung 28 Dieser Text gibt ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen wieder und stellt keine medizinische Beratung dar. Bei Fragen zu Alkoholkonsum und Herzgesundheit konsultieren Sie bitte Ihren Arzt.
HERZ & Welt Die neue Serie startet in dieser Ausgabe Bei GUT ZUM HERZ beschäftigen wir uns täglich mit der Herzversorgung in Deutschland. Dabei stellen sich viele von Ihnen die Frage: Wie sieht das eigentlich in anderen Ländern aus? Können wir von deren Erfahrungen lernen? Neue Serie: HERZ & Welt Ab sofort starten wir „HERZ & Welt“ - eine neue Serie in unserem Jahreszeitenmagazin. Viermal im Jahr vergleichen wir die deutsche Herzversorgung mit einem anderen Land und schauen uns an, wie Herzpatienten dort behandelt werden. Deutschland und Japan - der erste Vergleich In dieser Ausgabe betrachten wir Deutschland und Japan. Beide Länder haben entwickelte Gesundheitssysteme, gehen aber unterschiedliche Wege in der Herzversorgung. Sachliche Einordnung Unser Ziel ist eine realistische Darstellung beider Systeme. Jedes Gesundheitssystem hat Stärken und Schwächen. Wir wollen weder idealisieren noch schlecht reden, sondern sachlich informieren und mögliche Verbesserungsansätze aufzeigen. Ihre Erfahrungen zählen Haben Sie selbst Erfahrungen mit der Herzversorgung im Ausland gemacht? Kennen Sie interessante Ansätze aus anderen Ländern? Ihre Hinweise helfen uns bei der Auswahl künftiger Ländervergleiche. Die nächste Folge von HERZ & Welt erscheint im GUT ZUM HERZ Winter 2025/26. 29
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