2025/12/01-03 // Mainz // 65. Internationaler DWV-Kongress Automatisierung, Pflanzenschutzkonzepte und wirtschaftliche Stabilität zogen sich durch viele Vorträge und passten zu den Fragen, die wir im HerzAktiven Bereich der Herbstausgabe und im Themenmagazin HERZ & WEIN aufgreifen: Wie kann verantwortungsvoller Genuss aussehen, wenn alkoholfreie Varianten selbstverständlich mitgedacht werden? Der politische Auftakt unter dem Titel „Erzeuger im Fokus“ rückte die Rahmenbedingungen in den Vordergrund, unter denen Wein in Europa erzeugt wird. Es ging um Finanzierung, Wettbewerbsfähigkeit, Markenentwicklung, Ertragsregulierung, Fördermöglichkeiten und strukturelle Fragen. Im zweiten Block stand die Resilienz des Weinbaus im Mittelpunkt: Wie bleiben Betriebe widerstandsfähig, wenn sich Klima, Märkte und gesellschaftliche Erwartungen verändern? Für mich waren diese Diskussionen auch deshalb spannend, weil sie zeigten, wie stark Verantwortung und langfristiges Denken inzwischen zum Selbstverständnis vieler Betriebe gehören - ein Gedanke, der sich in unseren Beiträgen zu nachhaltigen, entalkoholisierten Weinen wiederfindet. Besonders aufmerksam habe ich verfolgt, wie über den Stellenwert alkoholfreier Varianten gesprochen wurde. Immer mehr Menschen entscheiden sich bewusst dafür, aus persönlichen, beruflichen oder familiären Gründen auf Alkohol zu verzichten und greifen zu Alternativen, die geschmacklich zur Weinkultur passen, aber mit sehr wenig oder keinem Alkohol auskommen. In Gesprächen mit Winzerinnen und Winzern wurde deutlich, dass dieses Segment nicht mehr als Randerscheinung betrachtet wird, sondern als fester Bestandteil eines vielfältigen Angebots. Für mich ist das ein wichtiges Signal: Weinkultur kann Räume öffnen, in denen sich auch diejenigen wiederfinden, die alkoholfrei unterwegs sind - genau das spiegelt unser Themenmagazin HERZ & WEIN mit seinem Fokus auf aromatische, harmonische alkoholfreie Weine wider. Peter Hauk (CDU) ist Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden- Württemberg. Beim Kongress übernahm er einen Keynote-Slot und setzte dabei Akzente für starke ländliche Regionen, nachhaltige Land- und Forstwirtschaft sowie verlässliche Rahmenbedingungen für Erzeuger. Als langjähriger Abgeordneter steht er für Dialogbereitschaft, Bodenhaftung und das Ziel, Politik, Praxis und Bevölkerung miteinander ins Gespräch zu bringen - offen, klar, zugewandt. 50
Ein Höhepunkt aus meiner Sicht war das 3rd Wine Graduates’ Forum. Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler präsentierten dort ihre Ideen zu präziserer Bewirtschaftung, nachhaltigen Strategien und neuen technischen Lösungen. Einige Beiträge nahmen ausdrücklich in den Blick, wie Produkte und Angebote unterschiedliche Zielgruppen berücksichtigen können, vom klassischen Weingenuss bis zu alkoholfreien Varianten. Diese Offenheit passt zu unserem Ansatz bei GUT ZUM HERZ: Lebensentwürfe ernst zu nehmen, Entscheidungen zu respektieren und Informationen verständlich aufzubereiten, ohne sie zu bewerten. Auch die Verknüpfung von Weinkultur, Architektur und Tourismus hat mich beeindruckt. Im Rahmen des Architekturpreises Wein wurde sichtbar, wie Orte entstehen, die Genuss, Landschaft und Begegnung miteinander verbinden. In vielen Gesprächen spielte die Frage eine Rolle, wie solche Orte so gestaltet werden können, dass verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol selbstverständlich ist und alkoholfreie Alternativen sichtbar und selbstverständlich angeboten werden. Für mich ist das ein entscheidender Schritt: Wer Orte baut, baut immer auch Haltungen mit ein - in unseren HERZ-&-WEIN-Beiträgen zeigen wir deshalb bewusst auch Beispiele für Weinwanderungen, Wellness-Angebote und Vinotheken, in denen alkoholfreie Optionen Teil des normalen Angebots sind. Rückblickend war der DWV-Kongress für mich ein intensiver Lernort. Mit GUT ZUM HERZ bleibe ich im Gespräch mit Menschen, die Verantwortung für Produkte, Kommunikation und politische Rahmenbedingungen tragen. Wir geben keine medizinischen Empfehlungen und empfehlen keine konkreten Getränke, aber wir hören genau hin, wo sich Weinkultur, Alltag und ein bewusster Umgang mit Alkohol und alkoholfreien Varianten berühren. Die Erfahrungen aus Mainz fließen direkt in unsere aktuelle Herbstausgabe im HerzAktiven Bereich und in das Themenmagazin HERZ & WEIN ein: als Einladung zum Dialog, als Grundlage für weitere Netzwerke und als Ermutigung, Orientierung zu bieten, wenn Menschen ihren eigenen Weg zwischen Tradition, Genuss und Vorsicht finden wollen. Für Fachleute der Weinbranche und interessierte Erwachsene bot dieser Austausch Denkanstöße für einen bewussten Umgang mit Genuss im Alltag - und für uns bei GUT ZUM HERZ eine wertvolle Basis, das Thema HERZ & WEIN weiterzuentwickeln. 51
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