Wärmereize und Herz-Kreislauf Die Sauna ist für viele Menschen ein Ort zum Abschalten. Aber sie kann möglicherweise noch viel mehr: Es gibt Hinweise, dass Wärmereize gesundheitlich relevant sein können. In Finnland gehört Saunieren fest zum Alltag. Viele Menschen empfinden Saunieren als wohltuend. In den letzten Jahren haben Forschende genauer hingeschaut - Beobachtungsstudien aus Finnland berichten Zusammenhänge: Menschen, die regelmäßig in die Sauna gehen, haben oft ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In diesen Beobachtungsstudien traten Bluthochdruck, Herzschwäche und plötzlicher Herztod seltener auf; Ursache und Wirkung sind damit nicht bewiesen. Diese Ergebnisse haben auch uns am Universitätsklinikum Magdeburg neugierig gemacht. Wir wollten wissen: Kann regelmäßiges Saunieren als ergänzende Maßnahme unter definierten Bedingungen unterstützen - vor allem bei bestimmten Patientengruppen? Herzschwäche trotz „normaler Pumpfunktion“ Es gibt eine Form der Herzschwäche, bei der das Herz zwar noch gut pumpt, aber trotzdem nicht richtig arbeitet. Das Herz kann sich dann nicht mehr gut entspannen und füllen. Dadurch wird der Körper schlechter mit Blut und Sauerstoff versorgt. Das tritt insbesondere bei Anstrengung auf. Viele Betroffene berichten über: • Luftnot beim Treppensteigen oder Spazierengehen • schnelle Erschöpfung • eingeschränkte Lebensqualität Für diese Erkrankung gibt es bisher nur wenige gute Behandlungsmöglichkeiten. Deshalb sind Lebensstil-Maßnahmen besonders wichtig - Bewegung, Gewichtsabnahme, gesunde Ernährung. Hier werden ergänzende Ansätze diskutiert - darunter auch Wärmereize wie Sauna. Unsere Studie in Magdeburg: Was wir untersucht haben Wir haben eine Studie durchgeführt, um zu prüfen: 1. Ist Sauna für diese Patientinnen und Patienten sicher? 2. Ist regelmäßiges Saunieren im Alltag überhaupt umsetzbar? 3. Verbessert es die Fitness und das Wohlbefinden? Die Teilnehmenden gingen 10 Wochen lang zweimal pro Woche in die 60° Sauna. Dabei waren wir immer in der Nähe und haben Blutdruck und Puls kontrolliert. Wir haben vor und nach der Sauna-Zeit verschiedene Untersuchungen gemacht, zum Beispiel: • Fitness-Tests (wie lange kann man sich belasten?) • Geh-Test (6 Minuten gehen) • Muskelkraft • Fragebögen zur Lebensqualität und Stimmung • außerdem Aktivität im Alltag (über Bewegungssensoren) • Analyse von Muskelgewebe Zusätzlich haben wir untersucht, wie sich die Muskulatur im Körper verändert. Denn bei dieser Herzform spielt nicht nur das Herz eine Rolle - auch die Muskulatur ist oft schwächer. Was Sauna im Körper auslöst In der Sauna wird der Körper warm - und reagiert darauf wie bei einem sanften Training: • Die Blutgefäße werden weiter • Der Muskel wird besser durchgeblutet • Der Körper muss arbeiten, um die Wärme zu regulieren • Der Puls steigt etwas an Unsere Ergebnisse: Sauna kann helfen Die Ergebnisse waren ermutigend. Die Sauna war gut verträglich und im Studienzeitraum traten keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse auf. Fast alle Teilnehmenden machten regelmäßig mit. Viele konnten nach der Sauna-Zeit: • besser laufen / mehr leisten • weniger Luftnot spüren • kräftiger sein • sich psychisch besser fühlen Es gab Hinweise auf mögliche Effekte auf Körperstoffwechsel und Muskulatur; das muss in weiteren Studien bestätigt werden. Was passiert, wenn man aufhört? Wir haben die Menschen nach 3 Monaten noch einmal untersucht - also nachdem die Sauna beendet wurde. Dabei zeigte sich: Ein Teil der positiven Effekte wurde wieder schlechter, wenn man nicht mehr regelmäßig sauniert. Das bedeutet: Die beobachteten Effekte hielten vor allem dann an, wenn man sie auch langfristig beibehält. 36
Ist Sauna für Herzpatienten gefährlich? Viele denken bei Sauna sofort: „Das ist doch zu belastend fürs Herz.“ Unsere Studie deutet darauf hin: Sauna kann sicher sein, wenn: • vorher ärztlich geprüft wird, ob sie geeignet ist • man langsam beginnt • man auf Warnzeichen achtet • man nicht allein „übertreibt“ Die Verfasser dieses Beitrags Drei Verfasser - ein klinischer Blick aus Magdeburg Hinter dem Beitrag stehen drei Ärzt:innen der Universitätsklinik für Kardiologie und Angiologie am Universitätsklinikum Magdeburg. MSc (Oxon.) Dr. med. Tarek Bekfani (FESC, FHFA, Bild unten) steht als Leiter der Sauna-Studie für spezialisierte Versorgung in der Breite: Er leitet die kardiologische Ambulanz sowie die Herzinsuffizienz- und Kardiomyopathie-Sprechstunde. Wichtig: Sauna ist kein Ersatz für Medikamente oder Bewegung, aber eine mögliche Ergänzung. Diese Option sollte noch unbedingt in weiteren Studien geprüft und bestätigt werden. Bis die Ergebnisse verfügbar sind, sollte die Teilnahme an der Sauna bei Herzpatientinnen und Patienten individuell und ärztlich geprüft werden. Ausblick: Welche Rolle könnten Wärmereize ergänzend spielen? Die Ergebnisse sind ermutigend. Ob und für wen Saunieren die Lebensqualität zusätzlich verbessern kann, muss in größeren Studien bestätigt werden: • größere Studien • verschiedene Kliniken (multizentrisch) • langfristige Beobachtungen Genau so eine Studie ist derzeit in Planung. Sauna ist mehr als Entspannung. Sie könnte Menschen mit dieser Form der Herzschwäche helfen, fitter zu werden, sich besser zu fühlen und den Körper zu stärken. Wärmereize könnten bei geeigneten Patientengruppen ein ergänzender Baustein sein, sofern weitere Studien Nutzen und Sicherheit bestätigen. Dass alle drei mit derselben Institutszugehörigkeit („¹“) zeichnen, ist mehr als eine Formalie: Es deutet auf ein gemeinsames klinisches Verständnis und abgestimmte Abläufe zwischen Leitung, Spezialambulanz und Station hin. Alaa Daboul (Oberarzt) wird an der Klinik als Facharzt u. a. für Kardiologie/ Innere Medizin sowie Herzchirurgie geführt und leitet die Station 3. Prof. Dr. med. Rüdiger Christian Braun-Dullaeus verantwortet seit 2008 als Direktor die Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin. In Summe entsteht ein Autorentrio, das Versorgung vom Chefarztbüro bis ans Krankenbett abbildet - fachlich verankert in einer universitären Maximalversorgung, zugleich nah an den Fragen, die Patient:innen und Teams im Alltag tatsächlich bewegen. Für Leser:innen ist diese Kombination ein Qualitätsmerkmal: wissenschaftliche Einordnung, ambulante Begleitung und stationäre Praxis greifen ineinander - für klare, nachvollziehbare Aussagen. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Bitte lesen Sie unseren Haftungsausschluss zu diesem Artikel mit Klick HIER. 37
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