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HERZ & WELLNESS | Balance & Wohlbefinden

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Inhalte rund um Herz und Wellness im Alltag – mit Anregungen zu Bewegung, Entspannung, Schlaf, Wärme- und Kälteanwendungen sowie Hinweisen auf Kurorte, Heilbäder und Anlaufstellen.

HerzInfo | DIE KOLUMNE

HerzInfo | DIE KOLUMNE von Matthias Jung Sauna und ich Warum „Durchhalten“ manchmal die dümmste Idee ist Ich wusste es eigentlich besser. Mit meiner Herzerkrankung ist die Sauna für mich kein Ort für Heldentaten, sondern für Maß. Meine Routine: rein, sitzen, genießen - und kurz vor dem Aufguss raus. Aufgüsse sind mir zu heiß. Punkt. An diesem Freitag lief alles nach Plan bis zwei alte Schulkollegen auftauchten. Man erkennt sich sofort: Die Stimmen wie früher, nur das Leben hat an der Optik kräftig mitgeschrieben. Wir grinsten, klopften uns auf die Schultern, und plötzlich saßen wir nackt nebeneinander und waren wieder in der neunten Klasse: weniger Haare, mehr Anekdoten. Wir redeten über Job, Familie, wer wo gelandet ist. In der Sauna wird Zeit weich; Minuten benehmen sich wie Butter. Draußen klackten schon Eimer, Schritte, diese gedämpfte Geschäftigkeit, die sagt: Gleich kommt der Aufguss. Normalerweise stehe ich dann auf und tue so, als hätte ich Wichtiges vor: Wasser holen, frische Luft, irgendwas mit Würde. Diesmal dachte ich: Jetzt kannst du nicht gehen. Sonst wirkst du wie ein Weichei. Und weil ich offenbar noch immer empfänglich für Pausenhoflogik bin, blieb ich sitzen. In meinem Kopf lief noch ein Rest Teenagerprogramm: „Zeig keine Schwäche.“ Leider hatte das Update auf „gesunden Menschenverstand“ Pause. Der Aufguss begann. Erst freundlich, dann entschieden, dann endgültig. Ich setzte ein Lächeln auf, das man auch auf Klassenfotos trägt, wenn man dringend wegmuss, aber tapfer wirken will. Innen drin stellte mein Körper die Frage, ob „Durchhalten“ wirklich Charakter ist - oder einfach nur Sturheit. Der Aufgussmeister schüttete Wasser auf die Steine, als wolle er ein Lagerfeuer ertränken. Ein Zischen, dann diese Wand aus Hitze. Die Luft wurde so dick, dass man sie hätte schneiden können. Mein Kreislauf machte höflich auf sich aufmerksam: erst Räuspern dann deutlicher Hinweis. Ich zählte Atemzüge und dachte an alles - nur nicht daran, cool auszusehen. Neben mir plauderten mein Schulkollegen unbeirrt weiter, als säßen wir im Wohnzimmer. Die Hitze kam in Wellen. Mein Brustkorb fühlte sich plötzlich so präsent an. Ich bemühte mich um „normales Atmen“, als sei das eine soziale Leistung vor Publikum. Ich nickte an passenden Stellen. Ich nickte auch an unpassenden. Hauptsache Bewegung, Hauptsache nicht auffallen. Irgendwann war klar: Das ist kein Mut. Das ist Eitelkeit mit Schweißfilm. Also sagte ich, so locker ich konnte: „Männer, ich geh mal kurz raus.“ Nicht „Ich muss“, nicht „Mir wird komisch“. Einfach raus. Draußen war die Luft nicht nur kühler, sie war vernünftig. Und da begriff ich: Stärke ist nicht, sitzen zu bleiben. Stärke ist manchmal, aufzustehen - bevor das Ego entscheidet, was das Herz auszubaden hat. Seitdem gehe ich wieder rechtzeitig raus. Mit Würde. Und wenn jemand denkt, ich sei schwach: geschenkt. Ihr Matthias Jung 38 Hinweis: Das ist meine persönliche Erfahrung. Wer Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat, sollte Saunagänge und Belastung individuell ärztlich abklären.

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